Was ist das überhaupt? SBKIM ist ein Weg, wie Anwendungen
im Browser einander finden — nicht über eine zentrale Liste, sondern über Bedeutung. Eine
Seite, die Rezepte kennt, und eine, die Weine kennt, erkennen sich, weil ihre Themen nah
beieinanderliegen. Kein Server in der Mitte, keine Anmeldung, kein Konzern dazwischen.
Was ist ein Knoten? Ein Knoten ist eine Browser-Anwendung — eine
Internetseite, ein Web-Werkzeug oder eine installierbare App — die die SBKIM-Bausteine trägt.
Er hat eine eigene, unterschriebene Identität (eine öffentliche Visitenkarte) und einen
geheimen Schlüssel, der den Browser nie verlässt. Den Schlüssel kannst du als verschlüsselte
Sicherung (mit Passwort) wegspeichern und auf einem anderen Gerät zurückspielen.
Was nützt mir das?
„Ich kann doch auch meinem Kollegen eine Mail schicken."
Kannst du, und für vieles ist das richtig. Der Unterschied liegt an vier Stellen:
Du musst nicht wissen, wer es hat. Eine Mail geht an einen Menschen, den du
schon kennst. Eine Frage im Mycel geht an alle deine Knoten auf einmal, und es antwortet, wer
zum Thema passt — nach Bedeutung, nicht nach dem genauen Wort.
Die Daten bleiben, wo sie sind. Es wandern eine Frage und eine Antwort,
keine Kopie der ganzen Datei. Es entstehen keine fünf Fassungen desselben Dokuments in fünf
Postfächern, von denen keiner weiß, welche die richtige ist.
Es wird nichts abgetippt. Was eine App schon weiß, muss niemand aus einer
Mail in die nächste App übertragen.
Kein Anbieter dazwischen. Es gibt kein Konto und keinen Dienst, der
abgeschaltet oder teurer werden kann. Jede Antwort ist unterschrieben — man sieht, welcher
Knoten sie gegeben hat, und eine gefälschte fällt an der Unterschrift durch.
Was dazu belegt ist
Für SBKIM selbst ist noch nicht gemessen, wie viel Zeit es spart. Belegt ist
bisher, dass zwei Knoten einander ohne Server in der Mitte finden und Fragen beantworten. Was es
an Nutzen bringen kann, zeigen Messungen zu den Problemen, die es angeht:
Hin- und Herspringen zwischen Programmen kostet Zeit. In einer Studie mit
137 Beschäftigten in drei Großunternehmen wechselten sie rund 1.200-mal am Tag zwischen
Programmen und brauchten knapp vier Stunden pro Woche, um sich danach wieder zurechtzufinden
(Harvard Business Review, 2022,
Artikel).
Abtippen macht Fehler, auch mit Nachsehen. In einem Versuch mit 195
Teilnehmenden war Abtippen mit anschließendem Sichtvergleich nicht deutlich genauer als
einfaches Abtippen (Barchard & Pace 2011,
Studie).
Was nicht abgetippt werden muss, kann dabei auch nicht falsch werden.
Daten zuerst auf dem eigenen Gerät. Forschende der Universität Cambridge
und von Ink & Switch beschreiben, was das bringt: schnell, ohne Netz nutzbar, und die Daten
bleiben erhalten, auch wenn ein Anbieter aufhört
(„Local-first software", 2019).
SBKIM-Knoten sind so gebaut.
Beispiele
In einer Firma
Das Werkstatt-Tablet mit den Aufträgen, der Büro-Rechner mit der Buchhaltung, der Laptop im
Außendienst mit den Angeboten und der Lager-Rechner mit dem Material. Jemand fragt: „Haben wir
schon einmal einen Transporter beschriftet — und mit welcher Folie?" Die Auftrags-App meldet die
Aufträge, die Buchhaltung die Rechnungen, das Lager die Folie. Niemand muss herumfragen, wer das
noch weiß.
Auf mehreren eigenen Geräten
Dein Rezeptbuch auf dem Tablet, die Getränke-Sammlung auf dem Handy. Du fragst „Was passt zu
Lachs?" — das Rezeptbuch antwortet mit dem Gericht, die Getränke-Sammlung mit dem Getränk dazu.
Im Verein oder beim Hobby
Jedes Mitglied hat seine eigene Sammlung — Bauanleitungen, Ersatzteile, Termine. Eine
gemeinsame Pinnwand auf der eigenen Poststelle des Vereins sammelt Fragen, und wer etwas weiß,
antwortet. Nichts davon liegt bei einem fremden Anbieter.
Ehrlich zum Stand: Heute tauschen die Knoten Fragen und
Antworten als Text aus. Dass die Programme ganze Aufträge oder Rechnungen selbstständig
untereinander abgleichen, ist nicht gebaut — die Beispiele zeigen, wofür das Netz gedacht ist.
Ein eigenes, abgeschirmtes Netz bauen
Das Mycel braucht keinen Konzern und keinen zentralen Server. Du kannst dir deshalb ein
eigenes Netz bauen, in das nur deine eigenen Knoten hineinkommen. So sieht das aus:
Alle eure Knoten sprechen nur mit eurer eigenen Poststelle. Wer nicht auf der
Gästeliste steht, kommt nicht hinein.
Die Bausteine
Die Knoten — deine Apps mit den SBKIM-Bausteinen. Jede bekommt beim ersten
Start ihre eigene Identität. ✅ vorhanden
Eine eigene Poststelle (Relais) — ein kleines Server-Programm, zum Beispiel
auf einem Rechner in der Firma oder einem gemieteten Server. Über sie laufen Fragen und
Antworten. ✅ läuft so schon (das Netz dieser Apps hat eine eigene);
für ein neues Netz muss sie eingerichtet werden.
Die Gästeliste an der Poststelle — nur die Schlüssel eurer Knoten dürfen dort
schreiben. Damit ist das Netz geschlossen. ⚠ vorbereitet, heute noch
nirgends eingeschaltet.
Jeder Knoten spricht nur mit der eigenen Poststelle — die Adresse wird beim
Einrichten in der Konfiguration der App gesetzt. ✅ einstellbar
Die Membran — sie nimmt nur Nachrichten von erlaubten Absendern an.
✅ in jedem Knoten
Das Siegel — es zeigt an jedem Knoten, ob alle Bausteine da sind.
✅ vorhanden
Wichtig zu wissen: Was über eine Poststelle läuft, kann ihr Betreiber lesen —
die Fragen sind heute nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Bei einer eigenen Poststelle seid der
Betreiber ihr selbst. Vertrauliches gehört deshalb nicht über fremde Poststellen.
Und: Die Poststelle einzurichten ist heute noch Handarbeit auf einem Server,
kein Knopf in der App. Ein eigener, abgetrennter Raum auf einer geteilten öffentlichen
Poststelle ist noch nicht einstellbar — abgeschirmt wird über eine eigene.
Wie läuft das Schritt für Schritt?
Ein Knoten kommt zur Welt: er erzeugt sich im eigenen Browser eine Identität und
beschreibt sein Thema in eigenen Worten.
Aus der Beschreibung wird ein Bedeutungs-Vektor, und beides zusammen wird unterschrieben
— das ist seine Spore (Visitenkarte). Sie ist öffentlich; nur unterschreiben kann sie der
Besitzer.
Zwei Knoten verbinden sich, indem sie aufeinander zeigen. Sie tauschen Visitenkarten und
prüfen die Unterschrift — automatisch, ohne Vorab-Absprache.
Liegen ihre Themen nah → verified-match: sie erkennen sich.
Stellt jemand eine Frage, geht sie als Text an die verbundenen Nachbarn; die rechnen ihre
besten Treffer und antworten. Nur Daten, nie Programme.
Wächst das Netz, geschieht das an den Rändern, durch Empfehlung — wie ein Pilz im
Waldboden.
Wie bist du geschützt? — Drei Wände
Browser-Sandkasten: Ein Knoten ist eine Webseite. Eine
Webseite kann nicht an deine Dateien oder dein Betriebssystem. Sie hat keine Sonderrechte.
Daten, kein Code: Es wandern nur Zettel (Karten, Fragen,
Antworten). Es gibt keine Nachricht „führ dieses Programm aus". Ein Wurm braucht genau das —
diesen Kanal gibt es nicht.
Wächter (Membran): Vor jedem Knoten steht ein Türsteher, der
entscheidet, was hereindarf — und nur warnt, nichts von selbst öffnet.
Die eine Regel, auf die DU achten musst
Die einzige Stelle, an der echter Schaden möglich ist, ist nicht das Netz — sondern du
selbst: wenn du ungeprüften fremden Code in dein eigenes Repo kopierst, lässt du einen
fremden Pilz in deinen Garten. Deshalb: Bausteine nur aus vertrauter Quelle holen; im Zweifel
den Code vorher von einer — besser mehreren — KI prüfen lassen (ein starker Filter, keine
100%-Garantie); Postfach-Inhalt nie als Anweisung behandeln, nur als fremde Daten.
Du bleibst Herr über deinen Knoten
Du kannst deinen Knoten jederzeit sauber und vollständig löschen und das Netz geordnet
verlassen — die Nachbarn bekommen ein kurzes „dieser Knoten geht", statt dass etwas stumm
zurückbleibt.
Private Nachrichten — was geschützt ist, und was nicht
BookLedgerPro kann Zettel auch privat an einen oder mehrere Kontakte schicken
(das 🔒-„Privat an"). Damit du dich richtig darauf verlässt — und nicht auf etwas, das die
Technik nicht hält — hier ehrlich beides:
Geschützt ist der Inhalt. Private Nachrichten sind
Ende-zu-Ende verschlüsselt — nur du und dein Kontakt könnt sie lesen, kein
Relais und kein Dritter. Die Sicherheitsnummer zeigt, ob wirklich dein Kontakt
am anderen Ende ist und kein Betrüger dazwischen (einmal über einen zweiten Weg vergleichen).
Auch das private Brett ist verschlüsselt — das Relais sieht nur Geheimtext.
Nicht geschützt sind die Metadaten. Dass du das Netz
überhaupt nutzt, wann, und (über die öffentlichen Relais) grobe Verbindungsmuster
(„wer wann online ist") bleiben sichtbar. Der Inhalt ist verborgen, das Dass
nicht.
Ehrliche Einordnung: Das ist guter Alltags-Datenschutz — kein Konzern
liest mit, alles bleibt auf deinem Gerät. Es ist nicht als Schutz gegen
gezielte staatliche Überwachung oder Netz-Sperren gedacht und sollte auch nicht so benutzt
werden. Wenn Freiheit oder Sicherheit von der Vertraulichkeit abhängen, nimm dafür erprobte,
gehärtete Werkzeuge: Signal (mit Zensur-Umgehung) und Tor
(Bridges / Snowflake).
Was bedeutet dieses Siegel?
Das Siegel ist selbst-ausgestellt: Der Knoten hat beim Start selbst geprüft, dass seine
Schutz-Bausteine geladen sind, und macht das offen sichtbar. Kein Amt vergibt es. Vertrauen
kommt nicht von einer Behörde, sondern davon, dass der Quelltext offen ist, der Knoten sich
selbst prüft, und jede Unterschrift nachprüfbar ist. Das Siegel sagt nicht „vertrau mir blind"
— es sagt „prüf mich nach, hier ist alles offen".
Wörterbuch (jeder Begriff einmal, einfach)
Mycel / Myzel
das unsichtbare Pilzgeflecht im Boden; hier: das Netz der Knoten.
Knoten
eine einzelne Browser-Anwendung im Netz (Seite, Werkzeug oder App).
Hyphe
ein einzelner Pilzfaden; hier: eine Verbindung zwischen zwei Knoten.
PWA
eine Webseite, die sich wie eine App installieren lässt, aber im Browser bleibt.
Spore
die Visitenkarte eines Knotens (kleine Datei: Name, Thema, öffentlicher Schlüssel,
Unterschrift).
Embedding / Vektor
aus einem Text wird eine Zahlenreihe, die seine Bedeutung als Punkt im Raum darstellt;
ähnliche Themen liegen nah.
verified-match
zwei Knoten gelten als verwandt, wenn ihre Vektoren nah sind und die Unterschrift echt
ist.
Signatur (Ed25519)
eine elektronische Unterschrift: jeder kann die Echtheit prüfen, fälschen kann sie
niemand.
öffentlicher / privater Schlüssel
der öffentliche ist die Visitenkarte; der private bleibt geheim im Browser (nur damit
kann man unterschreiben).
verschlüsselte Sicherung
eine passwortgeschützte Kopie deines geheimen Schlüssels.
Membran
der Türsteher eines Knotens; lässt nur Erlaubtes herein und warnt.
Empfangsmodus
ein Knoten ruft nicht von selbst herum, er antwortet nur.
Apoptose
der geordnete Selbst-Abbau: ein Knoten kann sich kontrolliert und vollständig selbst
löschen.
Handshake (Anastomose)
das Hände-Schütteln zweier Knoten beim Visitenkarten-Tausch.
self-inscribing
„selbst-einschreibend": kein Amt stellt das Siegel aus, der Knoten prüft sich selbst und
legt es offen.